Lesezeit: 7 Min.

Nachfolgend findest du die kurze Zusammenfassung unseres Gesprächs mit Lesley Arens. Die vollständige Episode kannst du anhören über Spotify, SoundCloud & Apple Podcasts.
Über Lesley Arens
In dieser siebten Podcast-Episode begrüßen wir Lesley Arens. Lesley hat eine große HR-Community aufgebaut, organisiert monatliche Events und veröffentlicht das HR-Fachmagazin sowie den Podcast #ZigZagHR.
Alle diese Aktivitäten sind aus ihrem Buch „ #ZigZagHR, Waarom de beste HR, geen HR meer is" entstanden, das sie 2018 gemeinsam mit Lisbeth Claus veröffentlichte.
Die Inspiration für ihr Buch #ZigZag HR entstand aus Lesleys eigener Zickzack-Laufbahn. Sie ist Marketerin von Hintergrund und ist eigentlich nie im Marketing gelandet, sondern immer wieder in grundlegend anderen Bereichen, bis sie schließlich im HR-Bereich landete. Während eine Zickzack-Laufbahn einen großen Mehrwert für die Karriere bedeuten kann, wurde das bisher noch zu oft von vielen HR-Abteilungen als außerhalb der Norm empfunden. Lesley möchte sich für mehr Zickzack in unseren Laufbahnen einsetzen und schrieb deshalb ihr Buch und startete die ZigZag HR Community.
Growth Mindset
Früher verlief eine Laufbahn meist geradliniger. Du hast bei einem Unternehmen angefangen, bist dort gewachsen und geblieben bis zur Rente. Heute haben wir eher Zickzack-Laufbahnen und diese müssen auch nicht unbedingt nach oben verlaufen. Manchmal nimmt eine Laufbahn eine scharfe Wendung durch einen persönlichen Auslöser (denk an die Geburt eines Kindes, einen Partner, der einen Job im Ausland annimmt, …), aber meistens entsteht diese scharfe Wendung, weil die Kontext sich verändert.
Auch Unternehmen müssen zigzaggen. Sie müssen operative Entscheidungen treffen, um auf den sich ständig verändernden Kontext antworten zu können.
Zigzaggen hilft uns und treibt uns an, zu wachsen, zu lernen, neue Umgebungen zu entdecken und eine Growth Mindset anzunehmen und neue Einsichten aus anderen Perspektiven zu gewinnen.
Aber nicht jeder hat automatisch diese Growth Mindset, oft spielt Angst eine Rolle, oder Mitarbeiter haben schlicht verlernt, eigene Entscheidungen zu treffen und zu wissen, was sie wollen.
Die jungen Leute starten jetzt in eine Karriere, in der ständiges Weiterlernen die Norm sein wird, weil sich die Welt in einem rasanten Tempo verändert. Sie sind das von Anfang an gewohnt, sie sind digital aufgewachsen und sogar digital zur Schule gegangen. Für frühere Generationen, bei denen das nicht der Fall war, ist dieses ständige Weiterlernen und Umschalten manchmal weniger selbstverständlich, und sie können durchaus einen Schub in die richtige Richtung brauchen.
Lebenslanges Lernen
Wir werden mit dem Willen geboren, zu wachsen und zu lernen, aber oft haben Mitarbeiter im Laufe der Jahre verlernt, darüber nachzudenken, was sie wollen.
Es ist wichtig zu erkennen, dass es eine geteilte Verantwortung liegt bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern, um anzugeben, was sie lernen wollen. Mitarbeiter müssen wieder lernen, sich ans Steuer der eigenen Karriere setzen!
Deshalb muss sich auch die Rolle von HR weiterentwickeln. Früher lag der Fokus vor allem auf dem Hier und Jetzt und darauf, dafür zu sorgen, dass die richtigen Menschen an Bord sind, dass sie mit genug Antrieb zur Arbeit kommen und am Ende des Tages das Gefühl haben, etwas Nützliches beigetragen zu haben. Aber HR muss auch weiter zu denken wagen und Zeit und Energie in morgen investieren:
- Was wird das Unternehmen morgen brauchen?
- Was sind die großen Trends in der Welt, und welche Auswirkungen wird das auf meine Branche haben?
- Welches Talent werden wir dafür brauchen, und gibt es vielleicht eine Lücke zum Talent, das wir jetzt schon im Haus haben?
- Was können wir dem aktuellen Talent anbieten, um zu lernen, mit diesen Veränderungen umzugehen?
Unternehmen müssen sich also gleichzeitig mit heute und morgen beschäftigen, über alle Abteilungen hinweg. Aber es sind doch die Menschen, die das umsetzen müssen, und dabei können HR, lebenslanges Lernen und eine Growth Mindset eine große Rolle spielen.
FIKA und informeller Wissensaustausch
In ihrem Buch spricht Lesley auch über das "Fika-Moment". Fika ist ein skandinavisches Prinzip, bei dem zu einem bestimmten Zeitpunkt des Tages die Arbeit unterbrochen wird und alle gemeinsam eine Pause mit Tee, Kaffee, Snacks und mehr genießen.
Bei so einer Pausenpause zwischen Kolleg*innen findet stets ein informeller Wissensaustausch statt: Ein bedeutender Teil des Wissens und der Informationen in Unternehmen wird in solchen informellen Momenten weitergegeben.
Wie wichtig diese spontane, informelle Momente für Mitarbeitende sind, hat sich deutlich gezeigt, seit sie durch Covid-19 größtenteils weggefallen sind. Innerhalb von Teams wird zwar versucht, kleine Momente über Videokonferenzen einzuplanen, aber ein informeller Moment entsteht per Definition spontan. Das droht nun wegzufallen, besonders teamübergreifend.
Hier stehen Unternehmen vor der großen Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Homeoffice und Büroarbeit zu finden. Die beschleunigte Digitalisierung durch Covid-19 hat uns definitiv gelehrt, dass wir immer noch Menschen sind, die soziale Kontakte brauchen.
Ein hybrides Modell aus Homeoffice und gelegentlich gemeinsam im Büro kann helfen, diese Balance zu finden.
Work-Life-Integration
Wo wir gerade von Balance sprechen: Auch bei der Work-Life-Balance geht es darum, ständig ein Gleichgewicht zu suchen. In diesen Covid-19-Zeiten, in denen Menschen immer häufiger von zu Hause aus arbeiten, mit ihrem Privatleben mittendrin (Schulen waren geschlossen, Kinder mussten beschäftigt werden, ...), lässt sich das Leben nicht mehr so straff organisieren.
Bei Work-Life-Integration geht es darum, sich von dieser strikten Trennung zwischen Arbeit und Privatleben zu lösen und beides etwas mehr ineinander übergehen zu lassen, unter der Bedingung, dass weder deine Kolleg*innen noch deine Leistung darunter leiden. Zum Beispiel, wenn du tagsüber kurz zum Zahnarzt gehst und danach einfach etwas länger weiterarbeitest, damit deine Arbeit erledigt ist.
Damit Mitarbeitende die Zeit haben, hier ihre Balance zu finden und ihre Grenzen kennenzulernen und zu wahren, ist es wichtig, dass sie dabei einen Lernprozess durchlaufen können.
Auch bei JustBite stehen wir für Balance und suchen wir in allem, was wir tun, nach Gleichgewicht, nicht nur bei Ernährung oder Work-Life. Wir glauben nicht an Extreme, sondern an "lagom", schwedisch für "genau so gut/viel wie es sein sollte".
Behavioral Economics und die Zukunft von HR
Eine sinnvolle Übung für HR kann sein, Marketing einzusetzen, um eine positive Employee Journey für (potenzielle) Mitarbeitende über alle Berührungspunkte mit dem Unternehmen hinweg zu schaffen. Früher lag der Fokus zu oft auf der Convenience für HR und viel zu wenig auf der Convenience für die Mitarbeitenden, was bei Letzteren zu großer Frustration führte.
Heute setzt HR immer häufiger auf eine positive Journey und eine Strategie, um Mitarbeitenden zu helfen, gesünder zu werden und zu bleiben, zum Beispiel durch Behavioral Economics und Nudging.
Durch die die Auswahl-Architektur zu manipulieren und zum Beispiel nur bewusstere Snacks anzubieten oder es Mitarbeitenden schwerer zu machen, ungesünder zu essen. Es ist wichtig, den Mitarbeitenden ihre die Wahlfreiheit nicht zu nehmen, aber durch eine angepasste Auswahl-Architektur kannst du ihnen durchaus einen Schubs in die richtige Richtung geben.
Mit kleinen Veränderungen im Angebot der Auswahlmöglichkeiten kann HR also dazu beitragen, dass Menschen Entscheidungen treffen, die ihrem Wohlbefinden zugutekommen, ohne sie in ihrer Freiheit einzuschränken.
Arbeitgeber spielen also eine wichtige Rolle dabei, ihre Mitarbeitenden gesünder zu machen und damit letztlich auch die gesamte Gesellschaft – mit kleinen Schritten in die richtige Richtung, die zu einer Verhaltensänderung führen.
Fazit
Der ultimative Tipp aus dem Podcast, den du mitnehmen solltest, ist: Menschen zuhören! Setz nicht nur auf Storytelling, sondern vor allem auch auf Storylistening: Höre zu, was deine Leute bewegt, was sie brauchen, was sie wollen ...
Indem du effektiv zuhörst, was Mitarbeitende brauchen, kannst du dein Employer Brand so konkret und effizient gestalten, dass du genau die richtigen Menschen anziehst – die perfekt zu deiner Geschichte passen, lange bei deinem Unternehmen bleiben wollen, gesünder sind und sich voll für ihren Job einsetzen.
Viel Hörvergnügen!
