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Hier findest du die kurze Zusammenfassung unseres Gesprächs mit Johan Albrecht. Die vollständige Episode kannst du dir anhören über Spotify & Apple Podcasts.
Über Johan Albrecht
Johan Albrecht ist Professor an der Wirtschaftsfakultät der Universität Gent und Autor des Buches "Investeer in een gezonde levensstijl. Op weg naar een activerend preventiebeleid" (Investiere in einen gesünderen Lebensstil. Auf dem Weg zu einer aktivierenden Präventionspolitik). Sein Buch handelt unter anderem von chronischen Erkrankungen und einem gesünderen Lebensstil als Lösung für dieses Problem. Aber auch von einem effizienten, nachhaltigen und aktivierenden Präventionssystem. Neue Initiativen wie ein individuelles Gesundheitsbudget kommen ebenfalls zur Sprache.
Einer der Gründe, das Buch zu schreiben, war sein Interesse als Ökonom an der Problematik der Präventionspolitik. Die Tatsache, dass wir alle wissen, dass ein gesünderer Lebensstil sich enorm auszahlen kann, dies aber in der Praxis trotzdem nicht umgesetzt wird.
Warum gelingt es vielen Menschen nicht, einen gesünderen Lebensstil zu verwirklichen?
Einerseits ist ein großer Teil der Bevölkerung noch immer nicht wirklich offen dafür, einen gesünderen Lebensstil anzunehmen. Andererseits kann ein anderer Teil der Bevölkerung schlicht nicht damit anfangen, wegen allerlei Hürden.
Studien haben gezeigt, dass 30 bis 40 % der belgischen Bevölkerung gesundheitlich wenig informiert sind. Konkret heißt das, dass diese Menschen es schwer haben, ihren eigenen Gesundheitszustand richtig einzuschätzen. Außerdem können sie über ihre Gesundheitsprobleme nicht gut mit Ärzten und Pflegekräften kommunizieren und haben Mühe, ihre Behandlung korrekt umzusetzen.
Unsere aktuelle Präventionspolitik ist recht passiv, das heißt, Menschen müssen selbst nach Informationen suchen und selbst aktiv werden. Was für einen großen Teil der Bevölkerung nicht selbstverständlich ist.
Wenn du diese Menschen in eine Präventionspolitik einbeziehen willst, musst du sie aktiv unterstützen. Zum Beispiel durch Gruppensitzungen mit konkreten Maßnahmen und Ratschlägen. Aber manchmal reicht selbst das nicht aus, und man muss individuelles Coaching in Betracht ziehen, was natürlich mit erheblichen Kosten verbunden ist.
Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Bevölkerung skeptisch gegenüber der Behauptung ist, dass ein gesünderer Lebensstil wichtig sei. Diese Menschen betrachten Gesundheitsprobleme stets als medizinische Probleme, und für sie muss die Lösung daher ebenfalls medizinisch sein, zum Beispiel in Form von Medikamenten.
Bewusstere Pausenmomente fördern und die Rolle der Politik
Ist es nicht Aufgabe der Politik, Initiativen wie JustBite zu unterstützen, die diese wichtige gesellschaftliche Herausforderung angehen wollen?
In den USA gibt es schon viel länger einen Anreiz für Unternehmen, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeitenden möglichst gesund leben. In Belgien ist das noch überhaupt nicht der Fall. Unsere Krankenversicherung ist ein nationales System, und Unternehmen haben selbst nichts zu entscheiden. Wenn Mitarbeitende krank sind, zahlt der Steuerzahler die medizinische Rechnung, nicht die Unternehmen. Natürlich möchte ein Unternehmen nicht, dass seine Mitarbeitenden lange und häufig krank sind, das ist nicht förderlich für die Kontinuität. Das ist dann auch oft der Anreiz für Unternehmen, ihre Leute dennoch selbst zu einem besseren Lebensstil zu begleiten.
Angesichts der Alterung der Gesellschaft, vor der wir stehen, und der Tatsache, dass die Zahl der Langzeiterkrankten in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch stark steigen wird, ist es wichtig, dass Unternehmen sich zumindest die Frage stellen, wie sie ihr Humankapital schützen und begleiten können.
Und das kann schon mit ein paar grundlegenden Schritten beginnen, um Mitarbeitende zu einem bewussteren Lebensstil zu bewegen. Beispiele hierfür sind eine Kantinenpolitik, bei der ausschließlich nährstoffreichere Ernährung (kostenlos) angeboten wird, die Schaffung ruhiger Räume für Pausen, die wirklich funktionieren, Investitionen in ein nährstoffreicheres Frühstück für Mitarbeitende, das Angebot von nährstoffreicheren Snacks, ...
Die Politik kann dies also durchaus unterstützen, aber die eigentliche Initiative und Motivation sollte von den Unternehmen selbst kommen. JustBite kann Unternehmen dabei unterstützen, indem es ihren Mitarbeitenden nährstoffreichere Snacks anbietet und so die Hürde senkt, etwas Neues zu entdecken und eine Verhaltensänderung zu erreichen.
Individuelles Gesundheitsbudget
Ein individuelles Gesundheitsbudget kann helfen, Menschen zu begleiten, die motiviert sind, mit einem gesünderen Lebensstil chronische Erkrankungen zu heilen oder zu verbessern, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen.
Chronische Erkrankungen haben ein sehr hohes Preisschild. Ein solches individuelles Gesundheitsbudget kostet natürlich auch Geld. Aber wenn wir einen Teil der chronisch Kranken maßgeschneidert zu einem gesünderen Lebensstil begleiten können, wird die Rechnung für medizinische Behandlungen, Medikamente usw. in Zukunft natürlich sinken.
Langfristig sollten wir das breiter anwenden und auch Menschen präventiv zu einem gesünderen Lebensstil begleiten, um so chronischen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 vorzubeugen. Aber es ist wichtig, zuerst den Menschen Vorrang zu geben, die bereits krank sind.
Der Netzwerkeffekt ist hierbei ebenfalls nicht zu unterschätzen. Ein großer Teil der Bevölkerung denkt nicht darüber nach, was sie mit einem gesünderen Lebensstil erreichen könnten. Wenn immer mehr Menschen in ihrem Umfeld erfolgreich Maßnahmen ergreifen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst auch aktiv werden (wollen).
Präventionspolitik und die Umwelt
Es ist klar: Je weniger Fleisch wir essen, desto besser ist es für unsere Gesundheit. Vor allem verarbeitete Fleischprodukte und rotes Fleisch werden bei einem gesünderen Lebensstil möglichst eingeschränkt.
Je mehr Menschen diese Empfehlung befolgen, desto mehr sinkt die Nachfrage nach Fleisch. Was nur der Erde zugutekommt, denn die Fleischproduktion belastet die Umwelt enorm. Wegen des hohen Wasserverbrauchs, aber auch wegen der CO2-Emissionen und der Stickstoffproblematik.
Ein gesünderer Lebensstil kann also auch einen erheblichen positiven Effekt auf unseren ökologischen Fußabdruck haben.
Müssen wir also alle Vegetarier oder Veganer werden? Nein, Menschen, die wenig Fleisch essen, sind oft schon deutlich gesünder und haben eine viel geringere ökologische Auswirkung im Vergleich zu großen Fleischessern.
Also profitiert nicht nur unsere Gesundheit von einem geringeren Fleischkonsum, auch unser Planet gewinnt dabei!
Eine Pille als letzter Ausweg
Menschen, die einem gesünderen Lebensstil skeptisch gegenüberstehen, haben oft nicht die Motivation, ihren Lebensstil anzupassen. Sie denken sich: Wenn sie einfach eine Pille nehmen, können sie auch 80 Jahre alt werden. Dabei vergessen sie, dass sie dann nicht von einer hohen Lebensqualität profitieren können.
Das Ziel sollte nicht sein, so alt wie möglich zu werden, sondern so lange wie möglich mit Qualität zu leben.
Medikamente können viel bewirken, und wir können zum Glück medizinisch schon so weit sein. Aber man verliert immer an Lebensqualität, wenn man nicht auch die zugrunde liegenden Probleme angeht, wie zum Beispiel Übergewicht. Medikamente sollten eigentlich ein letzter Ausweg sein.
Fazit
Es ist immer spannend, ab und zu den eigenen Lebensstil unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen, ob bestimmte Dinge nicht verbessert werden könnten. Die Suche nach einem gesünderen Lebensstil endet eigentlich nie, und das macht das Leben spannend. Veränderungen ausprobieren und Neues entdecken hält uns jung.
Versuche also herauszufinden, was für dich funktioniert. Veränderung kann man erlernen und annehmen.
